ALUTECNOS Albacore Gorilla 12c

Diesmal habe ich auf meinem Rollenwartungs-Tisch einen Gast aus dem sonnigen Italien. Die Firma ALUTECNOS hat mit der Albacore Gorilla-Serie eine äußerst attraktive Alternative zu High-End Rollen aus Übersee im Programm, die keinen Vergleich scheuen brauchen.

Die ALUTECNOS Albacore Gorilla 12c wird mit ihrer Übersetzung von 4,4: 1 als Jigging-Rolle beworben und macht optisch einen unglaublich robusten, aber auch sehr ansprechenden Eindruck. Es fällt einem sofort die präzise Verarbeitung auf. Die Gehäuseteile sind aus hochwertigem Aluminium CNC-gefräst und alle übrigen Teile aus Edelstahl.

 

 

Details wie der große Brems-Voreinstellungs-Knopf (Preset) oder die abgesetzte Schiebebremse, die Bedienungsfehler in Richtung „Freilauf“ und „Full Drag“ praktisch auschließt, heben die Gorilla von den „Mitbewerbern“ schon mal mit ansprechender Technik ab.

 

 

Wenn man die Spezifikationen der Rolle mit ihrer Größe vergleicht, wird man neugierig auf das Innenleben. Wie schafft es eine derart kompakte Rolle auf eine max. Bremskraft von 40 lbs. Rollen ähnlicher Größe müssen sich vielfach mit der Hälfte dieses Wertes zufrieden geben. Das Geheimnis ist die eine „Dual-Drag“, also ein Bremssystem  bestehend aus 2 Carbonscheiben.

Die Explosionszeichnung ist auf der Homepage von ALUTECNOS zwar abrufbar, aber schwer zu finden – http://www.alutecnos.it/linea58/download/manuale%20gorilla12c.pdf

Viel mehr als diese beiden Grafiken gibt die Seite aber auch nicht her:

 

Quelle: http://www.alutecnos.it

 

Quelle: http://www.alutecnos.it

 

Um ehrlich zu sein und es ein wenig vorweg zu nehmen – viel mehr braucht man auch nicht. Der Aufbau der Rolle ist so einfach wie genial. Wie man so schön sagt, oft ist weniger mehr.

Zusätzlich zu den üblichen Werkzeugen und Hilfsmitteln für die Rollenwartung benötigen wir diesmal einen Satz „Inbus-Schlüssel“ und Gabelschlüssel in den Größen 10 – 12. Lediglich zum Lösen der kleinen, innenliegenden Gehäuseschrauben benötigt man einen Kreuz-Schraubendreher, Größe PH1.

Alle außenliegenden Gehäuseschrauben sind sogenannte „Inbus“ – also Innensechskant-Modelle. Wir beginnen mit dem Lösen der 4 Gehäuseschrauben an der rechten Seite. Da es sich hier um ein Rechtshand-Modell handelt, also auf der Kurbelseite.

Vorsicht – eine Gehäuseschraube ist kürzer also die übrigen 3. Die kurze Schraube ist beidseitig an der unteren Seite – also beim Rollenfuß zu montieren.

 

 

Die rechte Gehäuse-Abdeckung lässt sich leicht abheben und seitlich ablegen. Äußerst positiv fällt auf, dass hier keine losen Teile oder Federn aus der Rolle fallen – alles bleibt an seinem Platz.

 

 

Auch die Spuleneinheit lässt sich aus dem Gehäuse nehmen, ohne dass die Achse, Lager oder sonstiges sich lösen. Die 3 Teile legen wir nun auf dem Tisch vor uns ab.

 

 

Mit welchem der 3 Teile man die eigentliche Wartung beginnt, ist wie so vieles Geschmackssache. Ich habe hier mit der linken Seite begonnen, da sie dei wenigsten Teile hat. Auch hier haben wir wieder 4 Inbus-Gehäuseschrauben, wobei wieder die unterste, die kurze Schraube ist.

 

 

 

Die Preset-Schraube lässt sich in Drehrichtung links (preset -) abschrauben. Ansonsten befindet sich im Gehäuse nur ein Kugellager. Der Gewindeteil am Presetknopf ist ab Werk mit Loctite verklebt und lässt sich nur nach vorsichtigem Erhitzen lösen. Ich habe die Schraube nicht gelöst, da keine Notwendigkeit bestand.

 

 

Alle Teile werden mit einem weichen Tuch von Fett- und Salzrückständen gesäubert und anschließend mit SCANDEX grease medium behandelt.

 

 

Als nächsten Teil, nehmen wir den Gehäuse-Rahmen zur Hand. Der Rollenfuß, sowie die Verlängerungen für die Befestigung an der Rute sind zwar ebenfalls nur Schraubverbindungen, die sind aber mit einer Schraubensicherung (vermutlich Loctite oder dgl.) behandelt. Sollte es notwendig werden diese zu lösen, müssen die Schrauben zuvor vorsichtig erhitzt werden. Die Hitze löst den Kleber zuverlässig an und die Schrauben können gelöst werden. Ich habe mir das hier erspart, da ich keine Notwendigkeit gesehen haben die Schrauben zu lösen.

 

 

Die Innenseiten des Gehäuse-Rahmens ebenfalls einfetten, damit Salzwasser keine Chance hat sich festzusetzen und Schaden anzurichten.

 

 

Bevor ich die Spule zerlege, poliere ich die Oberfläche noch mit einer Bootspolitur. Damit erzeuge ich eine transparente Schutzschicht, die Spulenkorrosion  vorbeugen soll. Salzrückstände halten sich leider hartnäckig unter der Schnur, auch bei gründlichem Abspülen mit Süßwasser.

 

 

Die Bremseinheit der Spule lässt sich durch entfernen der 3 kleinen Schrauben öffnen.

 

 

Zuerst die Abdeckung  und dann die erste Bremsscheibe anheben.

 

 

Die Carbon-Bremsscheibe ist mit dem Alu-Teil verklebt und sitzt auf einer konischen Feder, die sie von der mittig platzierten Metall-Scheibe fernhält.

 

 

 

Die Metall-Bremsscheibe ist durch einen umlaufenden Sprengring gesichert. Den Sprengring einfach mit den Fingern lösen und die Metallscheibe anheben.

 

 

 

Die Metallscheibe wird ebenfalls durch 3 im Gehäuse eingebettete kleine Federn von der unteren Bremsscheibe weggehalten.

 

 

Unter der zweiten Carbon-Scheiben-Einheit ist nur mehr ein Edelstahl-Kugellager für die Hauptachse.

 

 

 

 

Die Carbon-Scheiben sind trocken verbaut, weshalb sie für einen sanfteren Anlauf mit Cal´s Reel Grease gefettet werden. Die Gehäuse-Innenseiten werden auch mit SCANDEX grease medium behandelt.

 

 

Hier noch einmal alle Teile der Bremseinheit übersichtlich angeordnet.

 

 

Die beiden Achslager sind nach innen offen und können deshalb gut mit SCANDEX grease soft behandelt werden. Die Lager in der Gehäuseabdeckung sind beidseitig geschlossen. Positiv anzumerken ist, dass es sich bei allen 4 verbauten Kugellagern um hochwertigste EZO-Edelstahl-Kugellager (Made in Japan) handelt. Schön zu sehen, da ich immer wieder auch in sehr hochpreisigen Rollen Kugellager „Made in China“ vorfinde.

 

 

Nachdem die Bremseinheit wieder montiert ist, geht es noch an die rechte Seite, wo die Edelstahlscheibe für den „Klicker“ verbaut ist. Konstruiert für die Ewigkeit – wie ein Panzer – kein Vergleich zu den Kunststoff-Klickern, die gerne bei ähnlichen Rollen verwendet werden.

 

 

Schrauben lösen und die Oberflächen mit SCANDEX grease medium fetten.

 

 

Die Achse kann einfach abgezogen werden. Die beiden Belleville Washer sind so anzuordnen: ()

 

 

Die Achse vor dem Einbau noch gut mit SCANDEX grease soft fetten. Die Rolle läuft durch die Behandlung mit diesem Fett zwar etwas satter, aber das steht der Gorilla besser als die „leichtfüßige“ Freespool-Variante.

Damit sind 3/4 der Wartung auch schon wieder erledigt.

 

 

Jetzt ist nur mehr die rechte Gehäuse-Einheit samt Kurbel übrig.

 

 

Zuerst wird die Schraube der Kurbel gelöst. Die Kurbel lässt sich danach abziehen.

 

 

Unter der Kurbel befindet sich nur mehr eine Alu-Kappe und eine Dichtung.

 

 

Das Getriebe-Zahnrad samt Kurbelachse lässt sich jetzt aus dem Gehäuse schieben. Auch hier ist eine weitere Dichtung verbaut. Im Gehäuse ist jetzt das Walzenlager für die unendliche Rücklaufsperre zu sehen. Ebenfalls reinigen und mit SCANDEX grease soft behandeln.

 

 

Die gesamten Teile zwischen Kurbel und Hauptgetriebe zur Übersicht.

 

 

Das Kugellager der Hauptachse sitzt zentral im Gehäuse und ist beidseitig geschlossen. Unter dem Lager befindet sich eine Distanzscheibe und ein Pin, der einfach aus den Führungen gezogen werden kann. Auch hier nicht mit SCANDEX grease medium sparen.

 

 

Detailaufnahme zum Splint und ein schöner Blick ins 3-fache Walzenlager. Bemerkenswert ist, dass diese Rolle keine Haken/Vorrichtungen – also sogenannte „Dogs“ hat, die im Fall des Versagens der Rücklaufsperre die Kurbel blockieren. Die Hersteller haben offensichtlich großes Vertrauen in ihre Technik.

 

 

Hier noch einmal alle 3 Teile zur Ansicht.

 

 

Als nächstes kommt der Umschaltmechanismus für den „Klicker“ dran. Der federgelagerte Kunststoffring stellt sicher, dass der außen liegende Hebel immer an der gewünschten Stelle bleibt.

 

 

 

Der Hebel für den Klicker besteht aus einem Innen- und einem Außenteil. Durch lösen der beiden Innensechskant-Schrauben können die Teile entfernt werden.

 

 

Auch hier noch einmal die Einzelteile der Einheit zur Ansicht.

 

 

Gehäuse und alle verbauten Teile ebenfalls mit SCANDEX grease medium behandeln.

 

 

 

Jetzt fehlt nur mehr die Kurbel selbst. Der Knauf lässt sich abschrauben, wenn man mit einem Gabelschlüssel wie auf dem Foto ersichtlich gegenhält.

 

 

 

Der Knauf ist der einzige Teil der Rolle, der ein merkliches Spiel hat. Das ist störend, lässt sich aber durch eine kleine Distanzscheibe sofort und einfach beheben.

 

 

Jetzt einfach alle Gehäuseteile wieder zusammenschrauben und die Wartung ist erledigt. So konserviert, kann die Rolle bedenkenlos für einige Touren verwendet werden.